Aussicht von Melamchi Ghyang nach Süden
Identität der Hyolmo in Nepal
Es gibt kaum ein Land, welches eine so komplexe Bevölkerungsstruktur aufweist wie Nepal, obwohl das Land mit 147‘181 m2 Fläche eher klein ist – vor allem, wenn man es mit seinen gigantischen Nachbarn China und Indien vergleicht. Die Bevölkerung von rund 31 Millionen kann unterteilt werden in:
- dutzende von indigenen Gruppen (Janajati Adivasi),
- hoch- und tief-kastige Hindus, wobei zwischen den im Hügelgebiet wohnenden Hindus (Pahadis) und den im tiefliegenden Terai lebenden Hindus (Madeshis) unterschieden werden kann,
- die Gruppe der Dalits, welche bis 1963 als «unberührbar» galten
- und eine kleine Muslim-Minderheit.
Nepal wurde im Jahre 1768 durch Prithvi Narayan Shah politisch geeint, was zur Schaffung eines Feudalstaates führte, in welchem die hoch-kastigen Hindus des Hügelgebietes dominierten. Im Zuge der Konsolidierung des neu geschaffenen Staatsgefüges war es wichtige, all die indigenen Minderheiten zu integrieren und ihnen einen geeigneten Platz in der sozio-politischen Ordnung zuzuweisen.
Auch im modernen, demokratischen Nepal spielen die indigenen Minderheiten (Janajati Adivasi) eine wichtige Rolle. Nach der letzten Volkszählung (Census 2011) machen sie 35.81% der Bevölkerung Nepals aus. Die autonome „Nepal Federation of Indigenous Nationalities“ (NEFIN) vertritt gegenwärtig 56 unterschiedliche indigene Gruppen, welche offiziell von der nepalesischen Regierung anerkannt werden. Die Bevölkerung der Hyolmo, welche in diesem Beitrag die Hauptrolle spielen wird, ist eine dieser Gruppen.
Was macht eine indigene Gruppe aus? Auch wenn die Grenzen zwischen verschiedenen Gruppen fliessend sein können, so gibt es besondere Merkmale, welche gemäss NEFIN die Identität einer solchen Gruppe ausmachen:
- eine eigene Sprache, welche sich von der Amtssprache Nepali unterscheidet,
- spezifische Gewohnheiten und Praktiken, sowie kulturelle Eigenheiten, welche sich von der hinduistischen Leitkultur unterscheiden,
- eine soziale Struktur, welche nicht auf dem Kastenwesen beruht
- und eine eigene schriftliche oder orale Tradition.
Zusätzlich kann erwähnt werden, dass indigene Gruppen oft ein spezifisches geographisches Gebiet besiedeln.
Die Hyolmo erfüllen alle oben genannten Kriterien. Sie sprechen einen tibetischen Dialekt, pflegen eine vom tibetischen Buddhismus geprägte Kultur, zu welcher auch eine eigene Schrift gehört, und stehen ausserhalb des Kastenwesens. In Nepal hat man die Hyolmo oft zur grösseren ethnischen Gruppe der Sherpas gezählt, was zur Folge hatte, dass sich viele Hyolmo nach aussen oft selbst als Sherpas ausgaben und unter dem Familiennamen “Sherpa” amtlich registriert wurden.
Das Kerngebiet, in welchem die Hyolmo siedeln, ist als «Helambu» bekannt. Es liegt rund 80 km von der Hauptstadt Kathmandu entfernt, in nordöstlicher Richtung. In den alten Schriften wird es beschrieben als “the hidden land of Yolmo, enclosure of snows, also known as Padma Tsal, ‘lotus grove sanctuary’” (Khenpo Nyima Dondrup, 2010, 1).
Wie Padmasambhava ins Hyolmo-Gebiet kam
Im Lauf der Zeit hat sich die buddhistische Lehre wiederholt den wechselnden Bedingungen angepasst. Vor allem bei der Ausdehnung in andere Länder war ein pragmatisches Eingehen auf die veränderten Verhältnisse notwendig. Der Weg der Lehre von Indien nach Norden ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Eine grosse kulturelle, klimatische und geographische Verschiedenheit musste überbrückt werden, bevor die Lehre in der neuen Umgebung Fuss fassen und sich weiter entfalten konnte – getragen vom religiösen Eifer der Bewohner des Himalaya-Gebietes und der Hochebene von Tibet. Dieser Buddhismus gehörte bereits zur Vajrayana-Lehre, was «Diamantfahrzeug» bedeutet. Sie wurde in der dritten Geschichtsperiode des Buddhismus begründet. Da sich die Vajrayana-Lehre hauptsächlich in Tibet ausbreitete, wird sie auch als «tibetischer Buddhismus» bezeichnet.
Padmasambhava, der «Lotus-Geborene», wird von den Tibetern als «Guru Rinpoche» (kostbarer Guru) verehrt. Er gilt als sagenumwobene Heldengestalt, welche im 8. Jahrhundert auf Einladung des Königs Trisong Detsen die neue Lehre in Tibet etablierte. Um den Widerstand der Vertreter der alten Ordnung zu brechen und die Dämonen und lokalen Gottheiten zu unterwerfen, war ein Meister notwendig, der über ein vielseitiges Arsenal von wirksamen Zauberkräften und magischen Ritualen verfügte. Auf seiner Reise von Nepal nach Tibet ist sein Aufenthalt in Pharping im Kathmandu Tal verbürgt, wo er einer Delegation begegnet ist, welche ihm die königliche Einladung nach Tibet überreicht hat. Auf seiner weiteren Reise kam er ins Hyolmo-Gebiet, ein gemäss traditioneller Geschichtsschreibung «verborgenes Land» (tibetisch: beyul), in welchem Padmasambhava vielerorts seine Spuren hinterlassen hat. Vor seinem Aufbruch ins Hochland von Tibet hinterlegte er an verschiedenen geheimen Stellen für die Nachwelt bestimmte Schätze (tibetisch: terma), welche erst einige Jahrhunderte später gefunden wurden. Anschliessend verschloss er dieses von Schneebergen umrahmte Gebirgstal.

in der Meditationsklause von Chatral Rinpoche in der Einsiedelei Nedhing.
(April 2024)
Das verborgene Land wurde nach Khenpo Nyima Dondrup (2010, 3) erst im frühen 16. Jahrhundert vom grossen Tertön1 (Schatzsucher) Shakya Zangpo geöffnet . Damit ist gemeint, dass er dieses geweihte Berggebiet und die dort verborgenen Schätze entdeckte und zugänglich machte.2
Die Öffnung des Beyuls
Das Hyolmo-Gebiet, welches als Beyul von Padmasambhava geweiht wurde, ist vom legendären Tertön Shakya Zangpo im frühen 16. Jahrhundert erschlossen worden. Es wird erzählt, dass er während eines Retreats in Tibet die Eingebung zum Öffnen des verborgenen Landes hatte. Beim Darbringen von Opfergaben warf er ein Antilopenhorn in die Luft, welches auf wundersame Weise fortflog. Als er ihm folgte, fand er so den Weg ins Hyolmo-Gebiet, wo das Antilopenhorn schliesslich zu Boden fiel. An eben dieser Stelle wuchs ein Wachholderbaum, der noch immer zu sehen ist. Hier gründete Shakya Zangpo den ersten Nyingma-Tempel, genannt Chiri Ghyang oder Tsuti Gön Gompa («Tempel des Antilopenhorns»). Dies ist, neben anderen Geschichten, die wohl populärste Version über die Öffnung des Beyuls und die Gründung des ersten Tempels im Hyolmo-Gebiet, wie sie mir von Purna Gautam, dem Headmaster der Schule in Melamchi Ghyang, erzählt wurde.

Zur Zeit von Padmasambhava und in späteren Jahrhunderten, als die Tertöns die von Padmasambhava verborgenen Schätze fanden, waren viele Gebiete im Himalaya kaum oder nur sehr spärlich bewohnt. Die am südlichen Abhang des Himalayas gelegenen Täler waren für die Bewohner Tibets aufgrund ihres wärmeren Klimas und der Fruchtbarkeit verheissungsvoll. Wer die hohen Pässe von Tibet nach Süden überquerte, fand oftmals ein glückbringendes Tal, das als Beyul idealisiert wurde. Besonders in Zeiten politischer Spannungen und Auseinandersetzungen boten diese geweihten Gebiete der gefährdeten Bevölkerung zudem Sicherheit und Schutz. Für die Hyolmo-Bevölkerung war es Helambu, für die Sherpas das südlich des Chomolungma (Mt. Everest) gelegene Solu Khumbu und weiter östlich für die tibetischen Einwanderer das Gebiet von Sikkim3 , das zur neuen Heimat wurde.
Das Hyolmo-Gebiet, das Solu Khumbu und Sikkim haben nicht nur eine ähnliche Einwanderungsgeschichte. In allen drei Fällen hat die Bevölkerung einen starken Bezug zu heiligen Bergen, auf welchen ihre Schutzgottheiten wohnen. Was Ama Yangri und die weiteren verehrten Berge für die Hyolmo-Bevölkerung bedeuten, ist der Chomolungma für die Sherpas und der Kangchenjunga für die Bewohner Sikkims. Chomolungma, der höchste Berg der Erde, bedeutet „Göttinmutter der Erde“. Gemäss von Nebesky-Wojkowitz gilt er auch als Wohnstätte der «Five Sisters of Long Life» (1956, 33). Über den Kangchenjunga schreibt er: «Though one Tibetan legend makes Kangchenjunga the dwelling of the god of wealth, others speak of a god who is the personification of the mountain, and yet others of five divine brothers, each of whom lives on one of the five summits» (1956, 30).
Im Himalayagebiet soll es 108 Beyuls geben. Das Hyolmo-Gebiet ist aufgrund seiner Geschichte eines der prominentesten Beyuls. Da es wegen Guru Rinpoches schützendem Einfluss und den natürlichen Qualitäten bei der Bevölkerung einen besonderen Status hat, befolgen sie einen schonenden Umgang mit ihrer Umwelt. Die Achtung vor der Natur, die unser Leben überhaupt erst ermöglicht, und die tiefe Verbindung zwischen Natur und Spiritualität ist auch im Hyolmo-Gebiet ein wiederkehrendes kulturelles Element.
Zum harmonischen Umgang mit allen Lebewesen gehört, dass das Töten von Tieren und das Jagen in den Wäldern verboten ist. Bis heute wird dieses Verbot von der Bevölkerung aufrecht erhalten. Als im März 2025 ein Arbeiter bei einem Erweiterungsbau der Schule in Melamchi Ghyang vom Dach stürzte und sich schwere Verletzungen zuzog, verbreitete sich im Dorf die Meinung, dass der Unfall möglicherweise auf das Schlachten von Ziegen zurückgeführt werden könnte. Die eingewanderten Arbeiter wurden deshalb ermahnt, das Schlachten fortan zu unterlassen.
Die Legenden über Padmasambhava und die Lebensgeschichten von praktizierenden Heiligen und Yogis, die im geweihten Gebiet verstreuten Zeichen ihres Wirkens, die von den Tertöns geborgenen Schätze, die von Schutzgottheiten und Geistern bewohnte Natur – alles eingebettet in die beeindruckende Landschaft des Hyolmo-Gebietes, umringt von hohen Schneebergen – ergeben einen schier unerschöpflichen Reichtum, welcher sich der Bevölkerung zur Verehrung anbietet. Im Laufe der Zeit sind viele Stupas, Mani-Mauern, Tempel, Klöster und Pilgerorte entstanden, von welchen einige wichtige in diesem Beitrag beschrieben werden.
Die Antwort auf die Frage, was eigentlich die Öffnung eines Beyuls bedeutet, führt uns zu drei verschiedenen Ebenen, welche Orofino folgendermassen skizziert:
Following a scheme widespread in Tibetan esotericism three levels are envisaged: an external one, an internal one, and a secret one. The external one can be perceived by ordinary sensatory experience and allows the vision of a peaceful and fertile valley, but does not confer any spiritual power. The internal one can be enjoyed only by the yogin, who can receive from the vision of the inner secret land a strengthening of the spiritual powers as well as the possibility of finding secret treasures, hidden secret texts and every tangible good, all of which will make the initiation journey easier. The secret level can be perceived only by those who have reached a high level of spiritual fulfilment, and who can enter a condition of intense mystic ecstasy and gain access to highly esoteric teachings. (Zitiert nach: Torri, reprint 2023, 92).»
Auf welcher Ebenen man sich auch befindet, das Dasein in einem Beyul ist ein grosses Glück. Der Weg von der äusseren Ebene zur inneren Ebene und weiter zur geheimen Ebene kann jedoch nur durch Anstrengung, Geduld und Beharrlichkeit begangen werden.
Im Hyolmo-Gebiet ist neben manch anderen Tempeln und Klöstern auch die Chiri Ghyang Gompa dem Erdbeben von 2015 zum Opfer gefallen. Glücklicherweise wird das Kloster wieder aufgebaut, denn für das kulturelle und religiöse Erbe des Hyolmo-Gebietes ist dieser Ort von besonderer Wichtigkeit. Hier nahm die Öffnung des Beyul mit der Landung des Antilopenhorns seinen legendären Anfang. Als ich im April 2024 Tarkeghyang besuchte, in dessen unmittelbarer Nähe das Kloster liegt, war der Rohbau bereits fertig. Zwei junge Künstler waren dabei, für den Tempel neue Statuen zu gestalten – eine Arbeit, die ihnen in den nächsten Jahren bestimmt nicht ausgehen wird.




Unten: Eine verkleinerte Nachbildung der bekannten Boudhanath Stupa (April 2024)
Traditionelle Werte im Wandel der Zeit
Die Hyolmo bewohnen ihr Siedlungsgebiet seit vielen Jahrhunderten. Nach ihrer Einwanderung aus Südtibet konnten sie ihren tibetischer Dialekt und ihre Zugehörigkeit zum tibetischen Buddhismus bis heute bewahren.
Die geborgenen Schätze und die Spuren von Padmasambhava werden von den Hyolmo höchst verehrt. Die Bevölkerung weiss um die glückverheissende Natur ihres Gebietes – eines der 108 Beyuls oder verborgenen Täler des Himalayas. Das Wissen um die Natur des Beyul ist bei der älteren Generation noch stark verankert. Der Fortbestand der traditionellen Werte und Geschichten ist allerdings gefährdet. Die Ausrichtung des heutigen Schulstoffes, das Verlassen des Gebietes für eine Weiterbildung oder ein Studium, sowie das Migrieren in Regionen mit einem besseren beruflichen Angebot oder ins Ausland, das alles sind Faktoren, welche die traditionellen Wertvorstellungen eher schwächen könnten.
Die vielen Touristen, welche auf der beliebten Helambu-Langtang Trekking Route das Gebiet durchwandern, sind oft wenig informiert über die religiösen Hintergründe dieses geweihten Gebietes, obwohl es an Sehenswürdigkeiten sehr reich ist. Anders verhält es sich bei den ausländischen Pilgern, welche in den letzten Jahrzehnten mit dem Vajrayana Buddhismus in Berührung gekommen sind, in ihren Ländern eigene religiöse Gemeinschaften gegründet haben und nun die ursprünglichen Wirkungsstätten der früheren spirituellen Meister besuchen. Die Anzahl dieser Pilger ist stetig am Wachsen.
Ich selbst lernte das Hyolmo-Gebiet nach dem verheerenden Erdbeben vom 25. April 2015 kennen, als ich als Leiter eines umfangreichen Nothilfe- und Wiederaufbauprogramms in Nepal eingesetzt wurde. Wir konzentrierten unsere Arbeit auf die Dörfer beiderseits des Melamchi Flusses, wobei die nördlich gelegenen Siedlungen zum Hyolmo-Gebiet gehörten. Anlässlich einer Abklärung im Juni 2015 lernte ich in Melamchi Ghyang erstmals die Kultur der Hyolmo kennen. In den nachfolgenden Jahren hatte ich Gelegenheit, das Gebiet im Rahmen des Wiederaufbaus der vom Erdbeben zerstörten Schulen wiederholt zu besuchen und wurde dabei auf seine einzigartige Geschichte aufmerksam. Doch erst im März/April 2024 begab ich mich auf eine Pilgerreise, um die wichtigsten religiösen Orte des Hyolmo-Gebietes zu erkunden. Dieser Bericht stützt sich auf persönliche Aufzeichnungen, Gespräche mit lokalen Vertretern der Hyolmo-Gemeinschaft und verschiedene schriftliche Quellen. Möge dieser Beitrag beitragen, zukünftigen Besuchern und Pilgern die kulturelle Einzigartigkeit und den spirituellen Reichtum dieses Gebietes etwas näher zu bringen.
Die Pilgerstätten in Melamchi Gyang
Das Hyolmo-Gebiet ist auch bekannt für seine Meditationshöhlen (tibetisch: drub-phug). Die bekannteste liegt etwas oberhalb des wunderschön gelegenen Dorfes Melamchi Ghyang. Ausser der Geschichte, dass Padmasambhava und seine spirituelle Gefährtin Yeshe Tsogyal hier meditiert haben, ist eigentlich wenig über sie bekannt. Sie heisst «Sonne und Mond Höhle» (Rangjung Nyida Drubphug). Die beiden Himmelskörper sind an der Felsdecke gut sichtbar, wobei von der lokalen Bevölkerung betont wird, dass sie von niemandem erschaffen wurden, sondern von selbst entstanden sind. Sonne und Mond symbolisieren in diesem Zusammenhang die Einheit von Weisheit und Mitgefühl, welche die Grundlage des spirituellen Weges bilden.

Die Höhle ist geräumig und bietet für einige Meditierende bequem Platz. Sie wird durch eine gewaltige Felsplatte, welche auf weiteren Felsbrocken liegt, gebildet. Die beiden dem Tal zugewandten Öffnungen sind durch Mauerwerk verschlossen worden, mit einem Eingang auf der rechten Seite. Für die Meditierenden ist im Inneren eine gepolsterte Sitzreihe vorhanden. Nach dem Erdbeben des Jahres 2015 ist der Altar mit den bemalten Tonstatuen durch eine Holzkonstruktion mit grossen Glasscheiben verkleidet worden. Die Statuen sind neu geschaffen worden, da die alten durch das Erdbeben beschädigt wurden.
Ausserhalb der Höhle flattern nach allen Seiten hin bunte Gebetsfahnen im Wind. Riesige, von Moos überwachsene und mit Flechten behangene Bäume stehen oberhalb der Höhle im geschützten, steilen Wald. Nach Süden schweift der Blick weit übers Tal und die Dörfer von Helambu. Auch der Berggipfel des Ama Yangri, auf welchem die wichtigste Schutzgottheit des Tales wohnt, ist sichtbar.



Oben rechts: Sonne und Mond, nach welchen die Höhle benannt wird.
Unten: Der neu gestaltete Altar mit Padmasambhava in der Mitte.
(April 2024)
Dank der in den letzten Jahren ausgebauten Strasse kommen vermehrt Touristen, Pilger und Meditationsgruppen ins Hyolmo-Gebiet. Melamchi Ghyang ist in einer knappen Tagesreise mit dem Jeep von der Hauptstadt Kathmandu her erreichbar. Die Höhle ist für Besucher allgemein zugänglich und darf für die Meditationspraxis benutzt werden. Während meinem Aufenthalt im April 2024 kamen auch zwei ausländische Meditationsgruppen nach Melamchi Ghyang. Ein Jahr vorher (2023) um dieselbe Zeit begegnete ich in der Höhle einer australischen Nonne, die sich regelmässig für Retreats hierher zurückzieht.
Ganz zentral im Dorf gelegen ist das Amitabha Kloster. An diesem Ort soll sich Buddha Amitabha einstmals manifestiert und das Dorf durch seine Anwesenheit gesegnet haben. Das Gebäude ist durch das Erdbeben (2015) gänzlich zerstört worden. Wie bei einigen anderen bedeutenden Klöstern, darunter auch das in diesem Beitrag beschriebene Kloster Chiri Ghyang Gompa, wird der Wiederaufbau von indischen Regierungsstellen finanziert.



Links oben ist die im Erdbeben vom 25. April 2015 zerstörte Amitabha Gompa zu sehen. Links unten ist die neue Gompa im Rohbau (Februar 2025) abgebildet. Rechts ist die Abbildung des natürlich entstandenen Mühlsteins, welcher von Guru Rinpoche zur Herstellung von Tsampa (geröstetes Gerstenmehl) benutzt worden ist. Er soll in der neuen Gompa wieder einen prominenten Platz erhalten.
In der näheren Umgebung von Melamchi Ghyang gibt es einige weitere Orte zu besichtigen:
Eine halbe Stunde zu Fuss entfernt liegt auf einer Waldlichtung ein Felsbrocken, der Guru Rinpoche als Thron gedient hat, als er der Delegation des Königs Trisong Detsen eine Lehrrede gehalten hat. Zudem sieht man den Rücken einer Naga (Schlange), welche von ihm besänftigt wurde, in versteinerter Form aus der Erde hervorkommen.


Auf einem Acker, etwas unterhalb des Dorfes, befindet sich eine Felsformation, welche Padmasambhava als Ofen benutzt hat.


Eine kleinere Höhle, etwas ausserhalb des Dorfes an einem steilen Abhang gelegen, ist von Yeshe Tsogyal benutzt worden, um sich nach der Menstruation zu reinigen, bevor sie Padmasambhava in der Höhle besuchte. Heute noch ist ein Rinnsal von Wasser sichtbar, das aus dem Innern der Höhle hervor fliesst. Des Weiteren soll Yeshe Tsogyal auf einer grossen Felsplatte neben der Melamchi Ghyang Secondary School für ihren Guru vor der Reise nach Tibet Stoff gewoben haben.


Etwa eine Viertelstunde zu Fuss unterhalb von Melamchi Gyang ist am Wegrand ein riesiger, versteinerter Fussabdruck des Guru Rinpoche zu sehen. Nach einer weiteren Dreiviertelstunde erreicht man eine Felsnische, in welcher er sich ausgeruht haben soll. Dabei hat er mit seinem Hut einen runden, gut sichtbaren Abdruck im Fels hinterlassen.


Die Meditationshöhle von Yangdak Chok
Ein höchst verehrter Kraftort ist die Höhle von Yangdak Chok, die als spirituelles Zentrum des Beyuls gilt. Im 8. Jahrhundert meditierte hier Padmasambhava für viele Jahre, bevor er nach Tibet weiterreiste.
Wie mir Jhangmu Sherpa in ihrer Küche in Melamchi Ghyang erzählte, gab es vor rund fünfzig Jahren, als sie ein kleines Mächen war, einen Newari Einsiedler von Chetrapati in Kathmandu, welcher für Jahrzehnte den Beruf eines Metzgers ausgeübt hatte. In fortgeschrittenem Alter liess er Frau und Tochter zurück und lebte und meditierte neun Jahre in Yangdak Chok, um sich von seinem belastenden Karma, welches das Töten von Tieren mit sich brachte, zu reinigen. Zu dieser und in früheren Zeiten sollen dutzende von praktizierenden Yogis hierher gekommen sein. Sie alle folgten dem verlockenden Ruf, welcher von der Höhle von Yandak Chok ausging. In jüngster Vergangenheit war Chatral Rinpoche der bekannteste Meditationsmeister, der hier längere Zeit im Retreat verbracht hat. Von ihm wird später in diesem Beitrag ausführlicher berichtet werden.
Die Höhle liegt an einem der abgelegensten Orte im Hyolmo-Gebiet. Von Tarkeghyang aus führt der zweitägige Treck über den 4200 m hohen Thongla Pass in ein breites, karges Hochtal. Hier befindet sich die heilige Höhle am Abhang einer Bergflanke, welche mit riesigen Felsbrocken übersät ist. Shamar Chöki Wangchuk führt in seiner Geschichtsschreibung namens «Bunte Juwelengirlande» aus:
In der Mitte befindet sich ein felsiger Hügel, der wie ein Haufen wunscherfüllender Juwelen aufgetürmt ist, und in seinem Zentrum befindet sich eine Höhle der Früchte der spirituellen Praxis, breit und imposant. Es gibt einen Felsüberhang wie ein Baldachin der Götter. Glücklich und ruhig wird der Geist klar. Das Bewusstsein ist entspannt und eine Woge der Freude kommt auf … In jedem Fall, nur schon dorthin zu gehen, reinigt das Bewusstsein. Es ist ein ausserordentlich heiliger Ort, welcher die Wahrnehmung transformiert. (Übersetzt aus dem Englischen und zitiert nach: Khenpo Nyima Dondrup. 2010, 17).



Von der Höhle aus kann man auf einem Tagesausflug zum kleinen Bergsee namens «Marku Tsho» pilgern. Er liegt auf der westlichen Seite eines Bergkamms, welcher in etwa drei Stunden erreicht werden kann. Unterwegs sammelten meine beiden lokalen Begleiter von verschiedenen Sträuchern Blätter, welche in getrocknetem Zustand in den Klöstern als Weihrauchessenzen zur Reinigung der Atmosphäre gebraucht werden. Die Ruhe über der Landschaft wurde ab und zu unterbrochen vom Zirpen kleiner Vögel. Manchmal flüchtete eine Danphe – der stattliche Nationalvogel Nepals – aus dem Gebüsch, wenn wir zu nahe kamen. Und dank dem geübten Auge eines Begleiters sahen wir im frischen Schnee die Spuren eines Schneeleoparden.
Der Legende nach ist Marku Tsho dafür bekannt, dass er einen unterirdischen Tunnel hat, durch welchen das klare Wasser in die weit entfernte Chiri Ghyang Gompa fliesst. Er soll von einer kleinen Maus gegraben worden sein, damit die Menschen im ältesten Kloster des Gebietes vom heilenden Wasser trinken können.

Die Einsiedelei Nedhing
Über steile Gebirgspfade
Nur wenige finden den Weg zur Einsiedelei Nedhing, auf einer einsamen Waldlichtung weit oben am steilen Abhang über dem Melamchi Fluss gelegen. Rund herum steht ein Primärwald mit vielen Rododendronbäumen und Pinien. Ein Ort, welchen man auf Google Map vergeblich sucht. Die nächstliegende Siedlung Tarkeghyang ist in etwa drei Stunden über einen schwierigen, manchmal abschüssigen Fussweg erreichbar.
Wer jedoch wie mein lokaler Guide Tsering Lama und ich zu Fuss von Melamchi Ghyang hierhergekommen ist, muss zuerst steil ins Tal herunter, über die Brücke des Melamchi Flusses und dann zum nahe gelegenen Weiler Nakote hinauf. Von dort führt ein kleiner Fussweg die Bergflanke hoch, bis man nach etwa vier Stunden eine Waldlichtung erreicht, welche auf einer nach Westen ausgerichteten Terrasse liegt. Die einzige Behausung ist eine provisorische Hütte, welche nach dem Erdbeben 2015 aus den übrig gebliebenen Trümmern des früheren Bauernhauses gebaut wurde. Die freundliche Frau, welche hier mit ihrem Mann die Alp bewirtschaftet, lud uns zum Tee und zu gebratenen Kartoffeln in ihre Küche ein. Gestärkt und etwas ausgeruht, nahmen wir den restlichen steilen Weg unter die Füsse.
Nach einer guten halben Stunde bergwärts erreichten wir, begleitet von den letzten Sonnenstrahlen, die Einsiedelei Nedhing, welche in einer Waldlichtung verborgen liegt. Erschöpft von der langen Wanderung, waren wir dankbar, dass wir für die Nacht bleiben konnten.

Chatral Rinpoche
Nedhing ist verbunden mit dem grossen Dzogchen Meister Chatral (Sangye Dorje) Rinpoche (1913-2015), der 1987 zum ersten Mal hierherkam. Nachdem er an diesem Ort kurz geschlafen hatte, erwachte er sehr erfreut und stellte fest: «Dieser Ort ist noch abgeschiedener als eine einsame Einsiedelei in den Bergen.» Bereits im nächsten Jahr errichtete er einfache Unterkünfte, in welchen die ersten acht Schüler unter seiner spirituellen Leitung einen Dreijahresretreat begannen. Noch heute ist die Holzhütte von Chatral Rinpoche zu besichtigen, welche zum Schutz vor Unwetter durch eine grössere Holzkonstruktion umgeben und überdacht wurde. Die Hütte strahlt etwas von der Einfachheit und Natürlichkeit von Chatral Rinpoche aus, der trotz seines Rufes als vollendeter Meister und gesuchter Lehrer auch in fortgeschrittenem Alter lieber in der Abgeschiedenheit praktizierte, als sich in den Zentren der religiösen Gelehrsamkeit und in umtriebigen Klöstern aufzuhalten.

(Photo publiziert mit Genehmigung von Khentrul Nawang Lhundrup)
Chatral Rinpoches Biographie lässt sich kaum einordnen – sie ist so aussergewöhnlich, dass es dafür keinen geeigneten Massstab zu geben scheint. Bereits im Alter von acht Jahren wurde er von seinen Eltern zur Ausbildung in die Obhut von Khatok Khenpo Ngaga Rinpoche gegeben. Mit einigen Yaks, welche schwer mit Gaben für das Khatok Kloster beladen waren, brachen der junge Knabe und einige seiner Familienmitglieder auf. Sechs Tage dauerte die Reise von seinem Geburtsort in Kham zum Khatok Kloster, das für viele Jahre sein neuer Lebensmittelpunkt werden sollte.
Um eine solide Basis für die höheren Lehren zu schaffen, gab ihm Khatok Rinpoche eine für sein Alter schwierige Aufgabe: die Ngöndro-Praxis, welche die «vorbereitenden» Übungen des Vajrayana Buddhismus umfasst. Dabei geht es um die Zufluchtnahme zum Lehrer und zum Dreifachen Juwel des Buddhismus, die Aufnahme der Bodhicitta Praxis und die Reinigung von Körper, Rede und Geist. Wie wichtig diese Grundlagen für die geistige Entwicklung sind, erläutert Dilgo Khyentse Rinpoche mit den Worten:
Wenn wir unsere ersten Schritte auf dem Weg machen, sind wir noch nicht in der Lage, anderen zu helfen. Um das Wohl anderer zu erreichen, müssen wir uns zunächst selbst vervollkommnen, indem wir unseren Geist reinigen und transformieren. Dies ist das Ziel dessen, was wir die vorbereitenden Übungen nennen, welche die Grundlagen allen spirituellen Fortschritts bilden. Möglicherweise möchte man auf diese Grundlagen verzichten, um Lehren zu praktizieren, die man für tiefgründiger hält, aber wenn man dies tut, ist es, wie wenn man einen Palast auf der Oberfläche eines zugefrorenen Sees baut. 4
Für die vollständige Ngöndro-Praxis braucht es rund 18 Monate. Sie wird manchmal mehr als einmal durchgeführt. Chatral Rinpoche absolvierte diesen Zyklus von Ngöndro-Übungen unglaubliche vierzehnmal, unterbrochen jeweils von ein- bis zwei Monaten. Zwanzig Jahre verbrachte er damit im Khatok Kloster. Danach studierte er das Herstellen von Mandalas, tibetische Medizin und das praktisch ausgerichtete Ingenieurwesen für den Tempelbau. Dazu erhielt er Unterweisungen in der Dzogchen-Praxis, eine der tiefgründigsten Methoden, um die Erleuchtung zum Wohle aller Wesen zu erreichen.
Nach dieser Ausbildung begab er sich nach Lhasa, wo er Schüler der Sera Khandro wurde, welche als Reinkarnation von Yeshe Tsogyal verehrt wurde. Des Weiteren erhielt er Lehren und Einweihungen von namhaften Lehrern wie Katho Situ Rinpoche und Dudjom Rinpoche. Anschliessend wanderte er als heimatloser Yogi durchs Land und meditierte in einsamen Höhlen, was ihm den Namen «Chatral» (Einsiedler) eintrug. Als er von Reting Rinpoche, dem Regenten des Dalai Lama, gebeten wurde, sein Lehrer zu werden, liess er ihm ausrichten, dass er keinerlei besondere Fähigkeiten hätte und der Regent einen anderen Lehrer suchen sollte. Erst auf die Fürsprache von seinem früheren Lehrer Khatok Rinpoche hin, liess er sich erweichen und wurde zum Lehrer des Regenten. Nach einem Jahr jedoch begab er sich wieder in die Einsamkeit und praktizierte zwölf weitere Jahre als Einsiedler.
Wegen der Invasion der chinesischen Volksarmee in Tibet flüchtete er schliesslich nach Bhutan. Bei einer Pilgerreise nach Bodhgaya, dem Erleuchtungsort von Buddha, war er so beeindruckt, dass er das Gelübde ablegte, fortan kein Fleisch mehr zu essen. Zudem pflegte er für den Rest seines Lebens Tiere frei zu kaufen, um sie vor dem Schlachten zu retten. Er sagte:
Nimm deinen eigenen Körper als Beispiel,
und vermeide alles, was anderen Schaden zufügen könnte.
Bemühe dich, kein einziges Lebewesen zu töten:
Vögel, Fische, Wild und Vieh, nicht einmal ein winziges Insekt.
Stattdessen tue alles, um ihr Leben zu retten, und
gewähre ihnen Schutz vor jeglicher Angst.
Der Nutzen davon ist jenseits aller Vorstellungen.5
Im Alter von 50 Jahren heiratete Chatral Rinpoche Sangyum Kamala, eine seiner Schülerinnen. Zeit ihres Lebens unterstützte sie die Aktivitäten ihres Mannes. Sie hatten drei Töchter und lebten mit ihrer Familie vor allem in Pharping in Nepal, einem der wichtigsten Pilgerorte von Guru Rinpoche. Hier befindet sich noch heute der ehemalige Wohnsitz und ein Kloster von Chartral Rinpoche. Das Kloster liegt gleich neben der Yangleshö Höhle, in welcher Padmasambhava einstmals meditiert hat.
In diesem Kloster in Pharping erreignete sich meine erste «Begegnung» mit Chatral Rinpoche. Der Haupttempel war, wie üblich bei tibetischen Tempeln, mit farbenprächtigen Statuen, Thankas (Rollbildern) und Ornamenten ausgeschmückt. Neben dem Hauptaltar, mit Padmasambhava im Zentrum, stand rechts ein Thron mit der naturalistisch gestalteten Statue von Chatral Rinpoche. Auf meine Frage, wer es sei, wurde mir von einer amerikanischen Nonne erklärt, dass es sich um einen bekannten tibetischen Yogi handle, welcher viele Jahre zu Fuss durchs Land gezogen sei und in Höhlen meditiert habe. Auch während der letzten Jahrzehnte seines langen Lebens, welche er in Nepal verbrachte, hätte er öfters Pharping verlassen und die Einsamkeit in den Bergen gesucht – vor allem in Helambu, dem Gebiet, in welchem ich mich wiederholt arbeitshalber nach dem Erdbeben von 2015 aufgehalten hatte.


Der folgende Vers von Patrul Rinpoche (1808-1887) hätte auch von Chatral Rinpoche stammen können, der die Einsamkeit der Berge dem Getriebe der Welt ebenfalls vorzog:
Nachdem ich die ständige Hektik der Aktivität,
das nutzlose Getöse von Geschäftigkeit und Ablenkung
im Alltag der Mönchsgemeinschaft gesehen habe,
sehnt sich Abus6 Geist nach der Einsamkeit der Berge.7

(Photo: Khentrul Nawang Lhundrup)
In Nepal hat sich Chatral Rinpoche vornehmlich um die Ausbildung von ernsthaft praktizierenden Yogis gekümmert. Mehrere Gruppen von Yogis haben unter seiner Leitung dreijährige Retreats absolviert, so auch in der Einsiedelei von Nedhing. Bis heute ist diese Tradition lebendig geblieben. In einem niedrigen, für Besucher nicht zugänglichen Block befinden sich Klausen für Yogis, welche sich in einem Retreat befinden.

Ein weiterer Ort, an welchen Chatral Rinpoche sich zur Meditation zurückgezogen hat, ist das Lhakhang Kloster. Es ist vom Base Camp des Ama Yangri zu Fuss in rund zwei Stunden erreichbar. In der trockenen Jahreszeit kann es mit einem Jeep über eine holperige Strasse von Tarkeghyang in einer Stunde erreicht werden. Die Gompa ist allerdings im Erdbeben 2015 völlig zerstört worden. Im April 2024 war niemand anwesend. Es lagen jedoch Baumaterialien für den Wiederaufbau bereit.



Bild links: Trümmer der zerstörten Lhakhang Gompa im Vordergrund und neuere Gebäude, die nach dem Erdbeben errichtet wurden. Bild rechts oben: Alte, verzierte Holzelemente des zerstörten Klosters. Bild rechts unten: Holzelemente für den Wiederaufbau des Tempels. (April 2024)
Ein Leben in der Abgeschiedenheit
Das gegenwärtige Oberhaupt der Einsiedelei Nedhing ist Khentrul Nawang Lhundrup, der im Alter von fünf Jahren ins Kloster eintrat. Er kam vor dreizehn Jahren nach Helambu und lebt seit 2013 in Nedhing. Hier führt er die Tradition von Chatral Rinpoche weiter und unterweist eine Gruppe von Yogis, die sich in einem dreijährigen Retreat befinden.
Mit dem spirituellen Erbe seiner wichtigsten Lehrer hat Khentrul Nawang Lhundrup eine grosse Verantwortung übernommen, denn sie waren alle herausragende Lamas der Nyingma Tradition, der ältesten Schule des Tibetischen Buddhismus. Dazu gehörten, neben dem bereits erwähnten Chatral Rinpoche, folgende Lehrer8:
Dilgo Khyentse Rinpoche (1910-1991). Er kam aus Derge, im Osten Tibets. Er wird von vielen als einer der grössten Dzogchen Meister des letzten Jahrhunderts gehalten. Manche sehen in ihm sogar die Verkörperung von Padmasambhava. Dilgo Khyentse Rinpoche war ein wichtiger Lehrer für viele hochstehende Lamas und hatte eine grosse internationale Ausstrahlung. Im Exil wurde das Shechen Kloster in Boudhanath im Kathmandutal zu seinem neuen Hauptsitz.
Trulshik Rinpoche (1924-2011). Er war einer der Hauptschüler von Dilgo Khyentse Rinpoche und wurde zu einem der bekanntesten Lamas des Tibetischen Buddhismus. Nach der Invasion der Chinesen in Tibet (1959) wurde das Sherpa Gebiet in Nepal zu seiner neuen Heimat. Er war auch ein Lehrer des 14. Dalai Lama. 2010 wurde er das Oberhaupt der Nyingma Schule.
Minling Trichen Rinpoche (1931-2008). Er war der elfte Thronhalter von Mindroling, dem Hauptkloster der Nyingma-Tradition in Tibet. Als Oberhaupt der Nyingmapa war er weitherum bekannt und galt als einer der vollendeten Meister des letzten Jahrhunderts.
Diese Rinpoches waren nicht nur herausragende Oberhäupter von Klostergemeinschaften und geschätzte Lehrer, sie waren auch Meister der Meditationspraxis, insbesondere der Praxis des Dzogchen9. Viele Jahre verbrachten sie zurückgezogen in einsamen Klausen oder Höhlen. Sie repräsentierten das ursprüngliche Tibet, das bis zur Invasion der Chinesen nicht nur seine politische, sondern auch seine kulturelle Eigenständigkeit bewahren konnte. Mit dem Ableben dieser und weiterer Rinpoches, deren Lehren und Praktiken noch ganz in der alten Tradition verwurzelt waren, ging eine geschichtliche Ära zu Ende, deren tiefere Bedeutung erst allmählich von der Aussenwelt erkannt wird.
Wie Khentrul Nawang Lhundrup erzählte, fällt ihm die Abwesenheit seiner Lehrer schwer. Besonders Chatral Rinpoche, welcher 2015 im Alter von 102 Jahren gestorben war, fehle ihm. Er betonte, wie wertvoll es sei, viele Jahre mit einem authentischen Lehrer verbringen zu können. Ohne diese Lehrer fühle er sich oft einsam und verlassen.
Khentrul Nawang Lhundup hat auch zukunftsweisende Pläne. Nachdem er die Einsiedelei nach dem Erdbeben wieder aufgebaut hat, möchte er weiterhin Mönche in Langzeit-Retreats unterweisen. Er möchte zudem eine Schule für junge Mönche gründen, in welcher sowohl traditionelle als auch moderne Fächer belegen werden können. Eine weitere Komponente seines Wirkens beinhaltet die Konstruktion von separaten Klausen, für Yogis, welche sich nur einige Wochen oder Monate der Meditation widmen möchten.



Milarepas Lied der Freude eines Yogis
Im Hyolmo-Gebiet sind die meisten religiösen Stätten mit der Nyingma Tradition verbunden. Es gibt jedoch einen Ort, der von den Anhängern der Kagyu-Schule hoch verehrt wird. Es ist die «Tiger Höhle der Löwen Festung» (tibetisch: Takphug Senge Dzong), in welcher Milarepa (1052-1135) – Tibets bekanntester Yogi – für einige Jahre meditiert hat.
Milarepa war der zweite tibetische Guru in der Linie der Kagyu-Tradition. Sein Leben in den abgelegenen Höhlen, nur mit einem Baumwolltuch bekleidet, war Ausdruck seiner Entrücktheit und religiösen Hingabe. Mit tiefem Mitleid betrachtete er die Menschen in den Tälern, die sich, von Unwissenheit geblendet, in der Welt der vergänglichen Erscheinungen verloren und in ihren eigenen Fesseln verstrickten. Das Leben in der Abgeschiedenheit dagegen pries er in einem Lied:
Gehorsam meines Herrn, des Guru Leib,
Gewähre mir Beharrung in der Einsamkeit!
Mein tiefes Glück, Verwandten unbekannt,
Die namenlose Trauer, unbekannt den Feinden —
O fände ich in dieser Einsamkeit den Tod,
Welch tiefer Friede dann dem heilig Strebenden. (Evans-Wentz, 1971, 205)

Das Ideal des Einsiedlers erscheint Aussenstehenden oft lebensfeindlich und schwer verständlich. In buddhistischen Ländern wird jedoch die strenge Lebensführung der entsagenden Yogis bewundert. Nach traditioneller Vorstellung hängt von ihrer heilsamen Ausstrahlung das Wohlerbefinden ganzer Gebiete ab. Viele der abgeschiedenen Klausen sind deshalb als Pilgerorte beliebt.
Gemäss dem Bodhisattva-Ideal, das die eigene Befreiung nur vor dem Hintergrund der Befreiung sämtlicher Wesen zu sehen vermag, ist das Leben in der Abgeschiedenheit mit dem Wohl der Welt eng verknüpft. Doch die Beziehung ist nach den Worten Milarepas wechselseitig:
Der Yogi, in der Höhle hingegeben der Betrachtung,
Der Laie, der mit milder Gabe ihn erhält –
In beiden liegt der Weg zur Buddhaschaft. (Evans-Wentz, 1971, 209)
Viele Episoden aus Milarepas Leben sind durch das Werk «The Hundred Thousand Songs of Milarepa» (Chang, 1977) überliefert worden. Sein Aufenthalt in der Höhle im Hyolmo-Gebiet nimmt einen prominenten Platz ein, welchem das Kapitel «The Song of a Yogi’s Joy» gewidmet ist (Chang, 1977, 74-87). Gleich zu Beginn dieses Kapitels veranschaulicht Milarepa den fünf Nonnen von Mon das Glück, an diesem wundersamen Ort verweilen zu können:
This is a delightful place,
a place of hills and forests.
In the mountain meadows, flowers bloom;
In the woods dance the swaying trees!
For monkeys it is a playground.
Birds sing tunefully, Bees fly and buzz,
And from day until night the rainbows come and go.
In summer and winter falls the sweet rain,
And mist and fog roll up in fall and spring.
At such a pleasant place, in solitude,
I, Milarepa, happily abide,
Meditating on the void-illuminating Mind.





Unten links: Lamas bei der Puja im Vorraum zur Höhle. Unten rechts: Die Ansicht der Höhle mit dem Altar im Hintergrund. (April 2024)
Die Gesänge Milarepas dienen der Beantwortung der Fragen, welche die Nonnen dem Yogi stellen. Milarepa gibt ihnen Anweisungen für die richtige geistige Haltung in der Meditation, sowie mancherlei praktische Anleitungen für ihre Praxis. Der so geübte Geist soll ihnen den Weg zum inneren Frieden, zur Freude und letztlich zur Befreiung ebnen.
Beim Anhören der tiefen Weisheiten, welche von Milarepa mit grossem Mitgefühl und inspirierenden Beispielen vermittelt werden, wird den Nonnen bewusst, dass es an ihnen liegt, den Weg aus eigener Kraft unter die Füsse zu nehmen – dass sie selbst die Gestalterinnen ihres Karmas sind. Denn das Resultat der eigenen Taten ist immer «hausgemacht», kann nicht von aussen gegeben oder geschenkt werden.
Bald eintausend Jahre nachdem Milarepa diese Verse über die Freude eines Yogis gesungen hat, haben sie nichts von ihrer Bedeutung und Frische eingebüsst. Auch im Zeitalter des sich immer schneller drehenden Rades weltlicher Geschäftigkeit, mit zweifelhafter Perspektive auf die Zukunft des Planeten, können die Gesänge Milarepas das Tor zu einem sinnvollen, achtsamen Leben öffnen. Um es mit den Worten Milarepas zu sagen:
When you meditate with perseverance and determination,
You should think of the evils of Samsara
and the uncertainity of death.
Shun the craving for worldly pleasures;
Courage and patience will then grow in you,
And you will find your way.
(Chang, 1977, 78).
Die «Tiger Höhle der Löwen Festung» und der dazugehörige Tempel liegen etwa auf halber Strecke auf der Strasse, welche den Hauptort Kiul mit dem höher gelegenen Tarkeghyang verbindet. Lamas, Pilger und Besucher können den Ort jederzeit besuchen. Von der Strasse aus kann er zu Fuss in etwa zehn Minuten erreicht werden. Wer etwas länger hier verweilen möchte, kann in einem der bequemen, nahe gelegenen Homestays übernachten. Bergwärts gibt es in einem abgeschirmten Bereich Klausen, wo sich Yogis für einen Retreat zurückziehen können.
Wer von Kathmandu aus hierher kommen will, kann den Pilgerort in rund sieben Stunden mit dem öffentlichen Bus erreichen.

Abstand
Zu Besuch bei der Beschützerin des Hyolmo-Gebietes
Etwas ausser Atem kommen die Besucher und Pilger auf dem Berggipfel an, auf welchem Ama Yangri, die Beschützerin des Hyolmo Gebietes, ihren Wohnsitz hat. Wer ist diese beliebte Beschützerin eigentlich? Und weshalb wird sie verehrt? Torri (2023, 95) schreibt:
She is known to ride a dragon, leading hosts of several classes of lesser deities and non-human entities, which constitute her retinue and assist her in the duty to protect the land and its treasures. She also dominates the area as the Yang Ri, «mountain of prosperity », which constitutes the sacred epicenter of Helambu valley, with an elevation of 3771 meters above sea level, north of the village of Tarkeghyang. Her figure oscillates between the role of an independent and popular mother (Tib. ama) goddess according to local beliefs, probably hinting at a pre-Buddhist origin, and her role as a local protector in the general framework of Tibetan Buddhism.

Ama Yangri, die den Namen des Berges trägt, auf welchem sie thront, ist nur eine von vier Schutzgottheiten des Hyolmo-Gebietes. Die anderen drei sind Dorje Legpa, Genyen Leru und Chowo Chati. Von Dorje Legpa ist bekannt, dass er den Buddhismus anfangs bekämpft hat, dann durch Padmasambhava unterworfen und zum Beschützer der Lehre umgestimmt werden konnte. In Helambu wird der Name von Dorje Legpa mit seinem Wohnort, dem 6990 m hohen Berg Dorje Lakpa, in Verbindung gebracht (Torri, 2023, 98).



Unten links: der vierstöckige Tempel. (April 2024)
Unten rechts: die Aussicht auf die Himalaya Kette, mit dem Berg Dorje Lakpa in der Mitte. (April 2024)
Shakya Zangpo, welcher das verborgene Hyolmo-Gebiet im frühen 16. Jahrhundert geöffnet hat, räumte der Schutzgöttin Ama Yangri einen untergeordneten Platz in der religiösen Hierarchie ein. Gemäss seiner Geschichtsschreibung steht sie unter der Oberaufsicht von Padmasambhava (Torri, 2023, 99). Dieser Status wird auch beim Besuch des Tempels auf dem Ama Yangri Berg bestätigt. Hier dominieren vor allem die Darstellungen von Padmasambhava und weiteren Gottheiten und Bodhisattvas des Tibetischen Buddhismus. Im zugänglichen unteren Geschoss des vierstöckigen Tempels ist Ama Yangri nicht bevorzugt platziert. Ihre bildliche Darstellung lässt sich erst nach längerem Suchen in der rechten Ecke an der Rückwand finden. Ein Hinweis auf die Unterordnung von Ama Yangri ist gemäss Torri (2023, 99) zudem, dass Ama Yangri in den Ritualen der Lamas beim wichtigsten Fest am Vollmond des zweiten Monats des tibetischen Kalenders nicht erwähnt wird. In den Gesängen der teilnehmenden Laien aus den umliegenden Dörfern hingegen wird sie wiederholt angerufen. Diese Beispiele lassen vermuten, dass es sich bei Ama Yangri um eine lokale Muttergottheit handelt, welche der Buddhismus später in seine «Dienste» aufnahm.
Die Verehrung des Ama Yangri Berges folgt einer weit verbreiteten Tradition. Wie Huber feststellt: «Each Tibetan rural community is usually based around a local sacred mountain to which they perform collective worship» (2009, 23). Den Prozess der Übernahme von Lokalgottheiten (yul lha), welche auf Bergen und anderen prägnanten Orten wohnen, in die sich etablierende buddhistische Religion wird unter anderem von Buffetrille (1998) beschrieben. Bei diesem Prozess wurden insbesondere Berge zu bekannten Pilgerorten, welche eine weit über die lokalen Grenzen hinaus wirkende Anziehungskraft erhielten.
Während früher Ama Yangri vor allem lokale Bekanntheit hatte, kommen heutzutage vermehrt Pilger und Besucher von ausserhalb – vor allem aus dem Kathmandutal – auf den verehrten Berg. Das hat auch damit zu tun, dass die Erreichbarkeit dieses Gebietes in den letzten Jahren durch den Bau einer neuen Strasse stark gefördert wurde.
Das nahe gelegene Tarkeghyang, wo sich einige Unterkünfte und Hotels befinden, ist von Kathmandu mit öffentlichen Verkehrsmitteln in etwa acht Stunden erreichbar, mit einem Jeep oder einem Motorrad in rund fünf Stunden. Von hier aus lässt sich der Gipfel des Ama Yangri über steile Pfade durch Rhododendron- und Pinienwälder in rund sechs Stunden zu Fuss erklimmen. Wer bereits bei Sonnenaufgang oben sein will, kann im sogenannten Base Camp übernachten, wo es einfache Zeltlager und auch ein Resort zum Übernachten gibt. Vom Base Camp sind es noch zweieinhalb Stunden bis zum Gipfel. Wer die Strapazen des Aufstiegs hinter sich hat, wird von unzähligen, bunt-flatternden Gebetsfahnen begrüsst und durch eine phantastische Weitsicht auf die schneebedeckten Himalaya-Riesen belohnt. Und auf dem höchsten Punkt steht der schlanke, vierstöckige Tempel, der in den letzten Jahren neu erbaut wurde – geöffnet für Anliegen mancherlei Art, welche die Pilger den Gottheiten im Inneren des Tempels anvertrauen.
Über die Grenze
Mit vielen Erinnerungen im Gepäck verliess ich im April 2024 mit dem Bus, der «Ama Yangri Hyolmo Yatayat (Transport)» hiess, das Beyul. Als wir nach kurzer Fahrt zur Grenze des geweihten Gebietes kamen, erblickte ich am Wegrand auf einem Wegweiser einen Hahn. War dies vielleicht ein Zeichen? Im tibetischen Lebensrad verkörpert der Hahn die Gier, eines der drei Geistesgifte, welches uns im Kreislauf von Werden und Vergehen gefangen hält. Mit etwas Wehmut blickte ich zurück, denn wir waren im Begriff, wieder in die geschäftige, von unkontrolliertem Wachstum und Konsum getriebene Welt einzutauchen.


Wer umgekehrt vorhat, ein Beyul zu betreten, tut gut daran, sich der Bedeutung des Beyuls bewusst zu sein. Früher lagen die Beyuls in abgelegenen Gebieten. Im Zuge der Modernisierung sind sie durch Strassen und Landebahnen oft erschlossen und leichter zugänglich gemacht. Auch der Trekkingtourismus hat mehr Besucher in diese Gebiete gebracht. Es wäre deshalb angebracht, wenn sich die Besucher angemessen verhalten und der geweihten Natur des Gebietes Rechnung tragen würden.
In der Online-Publikation «Nekhor» wird der praktizierende Besucher folgendermassen auf den Aufenthalt in einem Beyul vorbereitet: «By coming to know and venerate the qualities of a beyul, a practitioners can tap into the beyul’s sacred nature and swiftly receive its blessings. Likewise, it is believed that disrespecting the beyul’s land or entering retreat without proper preparation, could also harm the practitioner. Thus we advise to enter a beyul with utmost respect and leaving as little trace as possible behind, and if you plan a retreat please to consult with your teacher.»10
Photos
Alle Photos, bei welchen keine Urheberschaft angegeben ist, stammen vom Autor dieses Beitrags.
Literatur
Buffetrille, K. (1998). Reflections on Pilgrimages to Sacred Mountains, Lakes and Caves. In Alex McKay (ed.) Pilgrimage in Tibet. Curzon Press.
Chang, Garma C.C. (1977). The Hundred Thousand Songs of Milarepa: The Life-Story and Teaching of the Greatest Poet-Saint Ever to Appear in the History of Buddhism. Shambala. Als pdf Publikation: https://unclesuraj.wordpress.com/wp-content/uploads/2016/09/milarepa_100000-songs.pdf
Dilgo Khyentse. (1996). The Excellent Path to Enlightenment. Snow Lion Publications.
Evans-Wentz, W. Y. (1971). Milarepa. Tibets Grosser Yogi. O.W. Barth.
Huber, T. (First Indian Edition 2009). The Cult of Pure Cristal Mountain. Popular Pilgrimage and Visionary Landscape in Southeast Tibet. Oxford University Press.
Khenpo Nyima Dondrup. (2010). Guide to the Hidden Land of the Yolmo Snow Enclosure and its History. Vajra Publications.
Translated by Chonam, Lama and Khandro, S. (1998). The Lives and Liberation of Princess Mandarava. The Indian Consort of Padmasambhava. Wisdom Publications. Als pdf Dokument: https://wisdomcompassion.org/wp-content/uploads/2019/10/The-Lives-and-Liberation-of-Princess-Mandarava.pdf
Torri, D. (Reprint 2023, first published 2020). Landscape, Ritual and Identity among the Hyolmo of Nepal. Routledge.
von Nebesky-Wojkowitz, René. (1956). Where the Gods are Mountains. Weidenfeld and Nicolson.
Yeshe Tsogyal. (Translated by Erik Pema Kunsang, edited by Marcia Binder Schmidt). (2004). The Lotus-Born. The Life Story of Padmasambhava. Rangjung Yeshe Publications.
Fussnoten
- Tertön (Tib. གཏེར་སྟོན་, Wyl. gter ston) — a revealer of spiritual treasures (terma) hidden by Guru Rinpoche and Yeshe Tsogyal for the benefit of future generations. Zitiert nach: https://www.rigpawiki.org/index.php?title=Tert%C3%B6n ↩︎
- Siehe dazu: https://www.lotsawahouse.org/tibetan-masters/ngakchang-shakya-zangpo/ ↩︎
- In Sikkim war einer dieser Pässe der «Cho-la, the ‚Pass of the Lord‘, one of the highest and most difficult mountain passes … Through this pass the great Padmasambhava is supposed to have entered Sikkim, which was then still almost uninhabited. Forseeing that the Yellow Doctrine (Tibetan Buddhism) would one day get a foothold here as well, he buried many of his Treasure Books in Sikkim, to facilitate the task of future Buddhist religious teachers» (von Nebesky-Wojkowitz, 1956, 61). Als der Schutzpatron Sikkims, Lhatsun Chempo, im 17. Jahrhundert mit seinen Schülern nach Sikkim kam, wurden verschiedene der heiligen Schriften entdeckt. Auf der Basis der darin enthaltenen Lehren und durch das Wirken Lhatsun Chenpos und seiner Nachfolger erreichte Sikkim eine kulturelle und religiöse Blütezeit. ↩︎
- Zitiert und übersetzt nach: Dilgo Khyentse, (1996, 10). The Excellent Path to Enlightenment. Snow Lion Publications. ↩︎
- Zitiert nach: Kyabje Chatral Rinpoche. (2005). Der Nutzen, den es bringt, Leben zu retten. Lotsawa House. https://www.lotsawahouse.org/de/tibetan-masters/chatral-rinpoche/saving-lives ↩︎
- Abu ist ein Übername, welcher eine gewisse Familiarität und Wertschätzung zum Ausdruck bringt. ↩︎
- Zitiert nach: Patrul Rinpoche. (2020). Sehnsucht nach der Einsamkeit der Berge. Lotsawa House. https://www.lotsawahouse.org/de/tibetan-masters/patrul-rinpoche/yearning-for-solitude ↩︎
- Die Informationen über diese Lehrer stammen aus folgender Webpage, welche auch viele weitere Angaben zum Leben dieser aussergewöhnlichen spirituellen Meister beinhaltet: https://www.rigpawiki.org/index.php?title=Main_Page ↩︎
- „Große Vollkommenheit“ oder „Große Vollendung“. Die Praxis des Dzogchen ist der älteste und direkteste Strom der Weisheit in der buddhistischen Tradition Tibets. Es ist einer der klarsten und effektivsten Wege, um die innerste Natur des Geistes zu verwirklichen. Zitiert nach:
https://www.rigpa.de/angebot/ein-vollstaendiger-pfad/#:~:text=In%20Rigpa%20werden%20der%20Ansatz,Rigpa%20Jahr%20f%C3%BCr%20Jahr%20besuchen. ↩︎ - https://www.nekhor.org/padmasambhava/hidden-valleys/intro ↩︎


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